Ernährung als Medizin

Es gibt kaum ein Thema, zu dem es so unterschiedliche Meinungen gibt, wie die zur Ernährung. Unstrittig ist für die Experten: Eine richtige Ernährung ist für die Gesundheit essenziell. Welche Kost aber die beste ist, darüber sind sich die Fachleute nicht einig.

Auf der Suche nach der besten Ernährungsform wurde bisher eine wichtige Tatsache übersehen: Der Nahrungsbedarf ist von Mensch zu Mensch individuell. Es gibt keine Ernährungsform, die per se für jeden Menschen geeignet ist. Jeder ist einzigartig und benötigt für seine Gesundheit und Vitalität Nahrungsmittel, die optimal seinem Stoffwechsel entsprechen. Zur Veranschaulichung: So, wie ein Motor nur mit einem bestimmten Treibstoff optimal arbeiten kann, ist es für die Körperzellen wichtig, die passenden Nahrungsmittel zu erhalten.

Zur Gesunderhaltung benötigt der Stoffwechsel gute Kohlenhydrate mit niedriger glykämischer Last (z. B. aus stärkefreiem Gemüse), wertvolle Eiweiße (z. B. aus Fisch, Eiern, Nüssen), gesunde Fette und Öle (z.B. aus Leinöl, Olivenöl) und stilles Wasser.

Der Nahrungsbedarf und die Zusammensetzung der Nahrung sind je nach Altersgruppe unterschiedlich, da sie auch von der hormonellen Konstellation abhängig sind. Während Kinder relativ eiweißarm und kohlenhydratreich essen dürfen, muss im Erwachsenenalter für eine ausgewogene Ernährung gesorgt werden. Frauen sollten spätestens in den Wechseljahren (Klimakterium) darauf achten, mehr Eiweiß und weniger Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Normalerweise regelt der Appetit bei gesunden Menschen das Essverhalten. Dieses angeborene, intuitive Verhalten ist vielen verloren gegangen.

Auswahl der Lebensmittel bei »gesund & aktiv«

Das Ernährungsprogramm von »gesund & aktiv« umfasst etwa 350 Lebensmittel, die für das Verstoffwechseln nur wenig Insulin benötigen. Aus diesen Lebensmitteln werden mithilfe einer Typisierung und einer Individualisierung des Stoffwechsels diejenigen »herausgefiltert«, die für den persönlichen Stoffwechsel ideal sind.

Typisierung

Die Typisierung entspricht der konstitutionellen Stoffwechselprägung, die den Verbrennungstyp nach Dr. Georg Watson und die Blutgruppe als Genmerkmal berücksichtigt.

Stoffwechselverbrennungstyp

Dr. Georg Watson (Universität Südkalifornien) war der Erste, der in den 1970er-Jahren die Verbrennungsgeschwindigkeit von Kohlenhydraten zu unterschiedlichen Stoffwechseltypen in Beziehung setzte. Er unterschied dabei drei Verbrennungstypen:

Dem Schnellverbrenner bekommt eine eiweiß- und fettreiche Kost gut. Kohlenhydrate dagegen verwertet er zu schnell, und es kommt zu einer starken und schnellen Insulinreaktion. Der Blutzuckerspiegel schwankt beim Schnellverbrenner stark. Infolge einer Gegenreaktion des Körpers, bei der Eiweiß in Glucose umgewandelt wird (Gluconeogenese), kommt es zum Anstieg des Harnsäurespiegels im Blut. Regelmäßiges und dem Stoffwechsel angepasstes Essen sind für diesen Stoffwechseltyp günstig.

Für den Langsamverbrenner ist Pflanzenkost sehr gut geeignet. Seine Schwäche liegt in der Verdauung und Verwertung von Eiweißen und Fetten. Nach einer fett- und fleischreichen Kost fühlt er sich zwar müde und träge, jedoch nicht satt. Der Langsamverbrenner neigt zu einem hohen Blutzuckerspiegel und chronischem Übergewicht. Körperliche Aktivitäten und der Verzicht auf Zwischenmahlzeiten sind für seinen Stoffwechsel förderlich.

Der Mischverbrenner ist genetisch auf eine ausgewogene Kost ausgerichtet. Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate sind für ihn gleichermaßen ideale Nährstoffquellen. Körperlich fühlt er sich mit einer abwechslungsreichen Ernährung am besten.

Die sechs Blutgruppen und ihre Stoffwechselprägung

Die Verarbeitung der aufgenommenen Nahrungsmittel, Stoffwechsel oder Metabolismus genannt, ist von den im Körper vorhandenen Enzymen abhängig. Wir unterscheiden dabei den anabolen und den katabolen Stoffwechsel. Der anabole Stoffwechsel umfasst alle Aufbauvorgänge, die für das Wachstum der Zellen und ihre Erhaltung erforderlich sind. Der katabole Stoffwechsel hingegen sorgt für den Abbau energieliefernder Nährstoffe, für die kontinuierliche Energieproduktion und einen ausreichenden Vorrat an einfachen organischen Substanzen. Beide Stoffwechselvorgänge sind eng miteinander verknüpft und bedingen sich gegenseitig. In einem gesunden Organismus besteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen ihnen.

Für die Zufuhr der richtigen Nahrungsmittel und somit für eine gesunde Ernährungsweise ist es wichtig zu wissen, ob der Stoffwechsel überwiegend anabol oder katabol ausgeprägt ist. Diese Ausprägung können wir anhand der einzelnen Blutgruppen zuordnen, die als Genmerkmal eine entscheidende Rolle spielen. Auch in der wissenschaftlichen Medizin gewinnt dieser Aspekt immer mehr an Bedeutung.

Blutgruppen werden auf zwei Chromosomen vererbt. Dadurch ergeben sich insgesamt sechs unterschiedliche Blutgruppen. Finden wir auf beiden Chromosomen weder das Merkmal der Blutgruppe A noch das der Blutgruppe B, so handelt es sich um die Blutgruppe 0 (00). Ist auf beiden Chromosomen das Merkmal B vorhanden, dann ist es die reine Blutgruppe B (BB). Ist nur auf einem Chromosom das Merkmal B vorhanden und auf dem anderen weder A, noch B, dann handelt es sich um den Mischtyp B0, der bei der Blutgruppenbestimmung der Gruppe B zugeordnet wird. Gleichermaßen gibt es einen Mischtyp A0, der der Gruppe A zugeordnet wird. Die Blutgruppe AB hat auf einem Chromosom das Merkmal A und auf dem anderen Merkmal B. Auch diese ist ein Mischtyp, genauso wie A0 und B0.

Unter Berücksichtigung der Arbeiten von Prof. Dr. Schole und Wolfgang Lutz ordnete Dr. Bodo Köhler die Blutgruppen den Stoffwechselprägungen zu. Demnach sind 0 und B katabol und A und AB anabol ausgerichtet. Diese Aussage deckt sich mit den in der Labormedizin vorgegebenen blutgruppenspezifischen Normwerten für die alkalische Phosphatase (in der folgenden Übersicht mit »AP« abgekürzt) im Dünndarm. Dieses Enzym ist neben der Magensäure für die Aufspaltung der mit der Nahrung aufgenommenen Eiweiße verantwortlich.

Träger der Blutgruppe 0 und B verfügen über eine größere Menge an Enzymen für die Eiweißaufspaltung als Träger der Blutgruppe A und AB. Die tägliche Praxis hat bewiesen, dass die Ernährungsempfehlungen für die Träger der Blutgruppe B0 nicht stark von denen für die Blutgruppe B abweichen, da sowohl B als auch 0 katabol geprägt sind. Anders verhält es sich bei der Blutgruppe A0. Hier gibt es wesentliche Unterschiede zur reinen Blutgruppe A. In ihr vereinigen sich anabole und katabole Aktivität.

Blutgruppe 00 (rein Null) hat eine katabole Stoffwechselprägung. Die Ernährung sollte reichlich Eiweiß, mäßig Fette und in geringem Umfang ballaststoffreiche Kohlenhydrate enthalten. Menschen dieses Typus besitzen ausreichend Enzyme, um auch rotes Fleisch zu verarbeiten. Bei einer überwiegend vegetarischen Ernährungsweise ist darauf zu achten, dass ab und an auch Lebensmittel mit tierischem Eiweiß verzehrt werden. Eine dauerhaft vegane Ernährungsweise ist für den Stoffwechsel dieser Blutgruppe nicht geeignet, da es dabei leicht zu Mangelerscheinungen kommen kann.

Blutgruppe BB (rein B) hat eine katabole Stoffwechselprägung. Die Empfehlung lautet: reichlich Fette, viel Eiweiß und wenig Kohlenhydrate. Ähnlich wie bei Blutgruppe 0 stehen ausreichend Enzyme für die Eiweißverarbeitung zur Verfügung. Wie bei der Blutgruppe 0 sollte der Speiseplan auch tierische Eiweiße enthalten. Eine rein vegane Ernährungsweise kann zu Mangelerscheinungen führen.

Blutgruppe AA (rein A) hat eine anabole Stoffwechselprägung. Die Nahrung sollte sich aus möglichst wenig tierischem Eiweiß, aus reichlich guten Kohlenhydraten sowie aus gesunden Fetten und Ölen bestehen. Aufgrund der geringen Menge an Verdauungsenzymen für Eiweiße (alkalische Phosphatase im Dünndarm) kann rotes Fleisch nicht gut verarbeitet werden. Verträglicher ist weißes Fleisch von Huhn, Pute oder Fisch. Träger dieser Blutgruppe haben einen Stoffwechsel, der optimal an eine vegetarische Kost angepasst ist.

Blutgruppe AB wird als eigenständige Blutgruppe gewertet, kann jedoch auch als Mischung von A und B gelten. Sie hat eine leicht anabole Stoffwechselprägung. Eine ausgewogene Ernährungsweise mit gleichen Anteilen Eiweiß, Kohlenhydrate und Fette ist förderlich. Prinzipiell ist vegetarische Kost für den Stoffwechsel der Blutgruppe AB geeignet.

Blutgruppe B0 ist eine Mischung aus Blutgruppe B und 0. Der Stoffwechsel ist katabol geprägt. Die Ernährungsempfehlung entspricht im Wesentlichen der der Blutgruppe 0 – mit einer Ernährungsweise, die optimalerweise tierische Eiweiße beinhaltet.

Blutgruppe A0 ist eine Mischung aus Blutgruppe A und 0. Wir finden diesen Mischtyp bei etwa 20 % aller Träger der Blutgruppe A. Die Stoffwechselprägung ist leicht anabol. Im Gegensatz zur reinen Blutgruppe A ist die Versorgung mit tierischem Eiweiß für diesen Mischtyp grundsätzlich wichtig. Ausreichend gute Kohlenhydrate und gemäßigt gesunde Fette runden den Ernährungsplan ab.

Die allgemeinen Empfehlungen, die sich aus der Blutgruppe ergeben, werden durch den (im Labor ermittelten) Stoffwechselverbrennungstyp ergänzt und durch die aktuelle Stoffwechsellage individualisiert. Das Ergebnis ist eine individuelle Lebensmittelliste mit denjenigen Nahrungsmitteln, die optimal zum Stoffwechsel passen.

Vital- und Stoffwechselanalyse

Die Grundlage für die Individualisierung ist eine umfangreiche Vital- und Stoffwechselanalyse anhand von 42 Laborwerten und von zusätzlichen Angaben zu Gesundheit und Ernährungsweise. Mithilfe dieser Blutwerte werden ermittelt: die Aktivität der einzelnen Organe, die Konzentration und die relative Zusammensetzung der wichtigsten Mineralstoffe und Vitamine, die Drüsenaktivität (Hormone), der Kohlenhydratstoffwechsel, der Fettstoffwechsel, der Eiweißstoffwechsel und der Eisen- und Kupferspiegel im Blut.

Auf diese Weise erhält man für jeden Menschen einen Ernährungsplan mit denjenigen Nahrungsmitteln, die dem individuellen Stoffwechsel entsprechen.

Der individuelle Ernährungsplan

Im Rahmen von »gesund & aktiv« kann je nach Zielsetzung der Ernährung zwischen fünf Ernährungsplänen gewählt werden: »gesunde Ernährung ohne Gewichtsreduktion«, »medizinisch gesund abnehmen«, »4 Wochen – Stoffwechselregulationsprogramm zur schnellen Gewichtsreduktion«, »vegetarisch gesund ernähren« und »ketogene Ernährung«. Die Auswahl des Ernährungsplans erfolgt im gemeinsamen Gespräch mit einem ausgebildeten Arzt oder Heilpraktiker. Er steht für Rückfragen zum Programm zur Verfügung und ist bei der Durchführung der Ernährungsumstellung behilflich.

Quelle: gesund & aktiv vegetarisch Lothar Ursinus * Schirner Verlag
www.gesund-aktiv.com