Schilddrüsenstörungen

Das kleine Organ im Hals produziert lebenswichtige Hormone und steuert fast alle Stoffwechselprozesse. Eine Unterfunktion ist, wenn sie frühzeitig erkannt wird, gut zu behandeln.

Ständige Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Gewichtszunahme, depressive Verstimmung, trockene Haut, Vergesslichkeit, Haarausfall, Zyklusstörungen, gesteigerte Kälteempfindlichkeit – wenn die Schilddrüse erkrankt, sind die gesundheitlichen Folgen sehr vielschichtig.

Das schmetterlingsförmige Organ, das sich unterhalb des Kehlkopfes an die Luftröhre anschmiegt, beeinflusst im Zusammenspiel mit anderen Hormondrüsen einen Großteil der lebenswichtigen Stoffwechselprozesse im Körper.

Die Schilddrüse als Spiegel der Emotionen zeigt sich sowohl bei der Über- als auch der Unterfunktion. Seelische Reifungsstörungen zwischen dem 9. und dem 15. Lebensjahr haben besonderen Einfluss auf die Schilddrüsenaktivität. Aus anthroposophischer Sicht ist dies die Rubikonphase, in der das Kind sein ganz eigenes Identitätsgefühl entwickelt. Es stellt Fragen, wie z.B. nach seiner Herkunft, ob es die Eltern nicht vielleicht vertauscht hätten, oder was wohl passieren würde, wenn die Mutter stirbt. Der Rubikon ist eine entscheidende Phase, in der das Kind besonders viel Anerkennung benötigt. Die Stabilität der Familie und erweiterten Lebensgemeinschaft ist in dieser Phase wichtig. Anhaltende Sorgen, chronische Überforderungen, der Verlust an familiärem oder heimatlichem Rückhalt kann den Grundstein einer Hashimoto-Thyreoiditis legen. In der Anamnese berichten Patienten oft über einen Wohnortwechsel, der sie belastete, da der Freundeskreis verlassen werden musste, eine Überforderung durch Schulwechsel oder Dauerstreit zwischen den Eltern. Bei der Basedow-Hyperthyreose erscheint häufig ein plötzlicher Verlust an Geborgenheit, wie zum Beispiel die Auflösung einer häuslichen Gemeinschaft durch Tod eines Elternteils oder Trennung. Es kann sich auch um eine frühe Umkehr in der Mutterbeziehung handeln, bei der die Mutter zum Kind und das Kind zur Mutter wird. Wir finden diese Umkehr bei Alkoholsucht und Depressionen. Solche Erlebnisse bilden eine Gedächtnisspur im unbewussten Teil der Psyche.

Schilddrüsenstörungen systemisch betrachtet

Der Mensch produziert erst dann Symptome, wenn er nicht mehr in der Lage ist, seine körperlichen und seelisch-geistigen Entgleisungen zu kompensieren. Die Summe der Symptome ergibt wiederum eine Erkrankung. Unter diesem Blickwinkel ist der Mensch also nicht krank, weil er eine Schilddrüsenstörung hat, sondern er hat eine Schilddrüsenstörung, weil er krank ist.

Beobachtungen während meiner 30-jährigen Praxistätigkeit haben bestätigt, dass die Ursache einer Schilddrüsenerkrankung nicht in der Schilddrüse selbst liegt, sondern in der Störung des regulierenden Systems außerhalb der Schilddrüse. Diese findet man durch eine umfangreiche Vital- und Stoffwechselanalyse im Labor heraus, die nach klinischen, naturheilkundlichen und ganzheitlichen Gesichtspunkten interpretiert wird.

Eisen und Kupfer

Eisen repräsentiert die Marskräfte, das männliche Prinzip. Es regt über die Schilddrüse den Stoffwechsel an. Eisen steht für Handlung, Selbstvertrauen und Potenz. Das zeigt sich durch körperliche und seelisch-geistige Stärke. Menschen mit einem gesunden Eisenstoffwechsel verfolgen ihre Ziele und setzen sie auch bei Widerstand durch.

Kupfer bildet als Ausdruck der Venuskräfte die Polarität zum Eisen und vertritt das weibliche Prinzip. Es fördert die Sensibilität unserer Sinnesorgane, steigert die Lebenslust, körperliche und seelisch-geistige Harmonie und bedingungslose Liebe.

Diese polar wirkenden Metalle sollten sich im Körper im Gleichgewicht befinden. Bei zu wenig Eisen und zu viel Kupfer, z.B. durch Eisenverluste oder Einnahme der Antibabypille (sie erhöht den Kupferwert), kann eine Schilddrüsenunterfunktion entstehen. Im umgekehrten Fall – bei zu viel Eisen und zu wenig Kupfer – liegt häufig eine zu starke Dominanz der Marskräfte vor, die zu einer Schilddrüsenüberfunktion führt

Die Naturheilkundliche Therapie sollte entsprechend der Ursache des Eisen- oder Kupfermangels ihren Ansatz finden. Ist der relative Eisenmangel durch einen zu hohen Kupferanteil entstanden und die Einnahme der Antibabypille dafür die Ursache, sollte eine geringer dosierte Antibabypille eingenommen werden. Alternativ sollte über eine andere Verhütungsmethode nachgedacht werden.

Überfunktion der Nebenniere

Die Nebennieren begleiten uns durch den Tag und lassen uns auf Stresssituationen angemessen reagieren. Sie produzieren wirkungsvolle Hormone, wie Cortisol, DHEA, Adrenalin und Noradrenalin und sichern unser Überleben.

Ist der Cortisolspiegel dauerhaft erhöht, wird die Umwandlung der Schilddrüsenhormone blockiert: Statt stoffwechselaktiver T3- Hormone wird das Cortison ähnliche rT3-Hormon gebildet. Typische Symptome der Schilddrüsenunterfunktion: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Lustlosigkeit und Gewichtszunahme.

Eine Behandlung dieser Symptome kann nur erfolgreich sein, wenn die Ursache des erhöhten Cortisolspiegels erkannt und verändert wird. Dazu gehören Dauerstress und ein Übermaß kohlenhydrathaltiger Ernährung.

Erschöpfte Nebenniere

Nach einem dauerhaft hohen Cortisolspiegel folgt oft ein sehr niedriger. Der Grund liegt in der Erschöpfung der Nebennieren. Genau genommen markiert ein niedriger Cortisolspiegel die Endphase eines überforderten Stressregulierungssystems. Das zeigt sich durch vermehrte Reizbarkeit, Burn-Out, Depression, erhöhte Infektanfälligkeit, chronische Müdigkeit, Schilddrüsenunterfunktion oder akutem Schub einer Hashimoto -Thyreoiditis.

Der therapeutische Ansatz ist in beiden Fällen die Harmonisierung der Nebenniere.

Stauungen der Galle

In der chinesischen Medizin fließt die Energie der Galle in Richtung Stoffwechselorgane. Bei Stauungen der Gallenwege wird sie von der aufsteigenden Lungenenergie mit nach oben genommen und trifft dort die Stimmbänder und Schilddrüse. Bei Wut und Ärger hat man das Gefühl, dass der Hals anschwillt. Kommt die Emotion nicht zum Ausdruck und bleibt im Körper stecken, kann die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigt werden.

Insulinresistenz – gestörter Kohlenhydratstoffwechsel

Die Ernährung hat großen Einfluss auf Stoffwechselprozesse. Schnell zu verarbeitende Kohlenhydrate in Nudeln, Kartoffeln, Brot oder Süßigkeiten kurbeln den Energiestoffwechsel an und verstärken die Insulinproduktion. Wird eine Körperzelle jedoch fortwährend mit viel Insulin „umspült“, reagiert sie irgendwann nicht mehr darauf. Dieser Zustand wird als Insulinresistenz bezeichnet und ist die erste Stufe zum Altersdiabetes (Zuckerkrankheit).

Insulinresistenz und Diabetes sind die häufigsten Ursachen eines Serotonin- und Dopaminmangels, der die Kommunikation zwischen Gehirn und Schilddrüse behindert.

Zur Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion ist eine Umstellung auf eine stoffwechselverträgliche Ernährungsweise erforderlich. In der Praxis arbeiten wir deshalb mit dem Ernährungsprogramm von gesund & aktiv: Anhand der Blutgruppe, der Stoffwechselverbrennungsart und 42 Blutwerten lassen sich die optimalen Nahrungsmittel für jeden Patienten individuell bestimmen. Nur Schilddrüsenmittel einzusetzen, würde das Problem nicht lösen.

Chronische Infekte – Leaky gut – Syndrom

Chronische Infekte haben ihre Ursache häufig in einem löchrigen Darm, dem Leaky gut-Syndrom. Dieser kann durch Gliadin (Gluten des Weizens), Gluten (aus glutenhaltigen Getreidesorten), Casein (Milcheiweiß), Lektine und Saponine, die der individuelle Stoffwechsel nicht verarbeiten kann, ausgelöst werden. Hinzu kommen Dauerstress, Schmerzmittel, Säureblocker und Antibiotika.

Die Folge sind chronische Entzündungen, wie Fibromyalgie (früher Weichteilrheuma), Morbus Crohn (Darmentzündung), Colitis Ulcerosa (Dickdarmentzündung) oder auch Autoimmunerkrankungen, wie Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis.

Bei einer Schilddrüsenbehandlung sind ein intakter Darm und die individuelle Ernährung wichtige Voraussetzungen.

Autoimmunerkrankungen: Zerstörung von Schilddrüsengewebe durch Antikörper

Bei Autoimmunerkrankungen handelt es sich um eine überschießende Reaktion des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe. Die Folge sind Entzündungsreaktionen, die zu Schäden an den betroffenen Organen führen können. In Bezug auf die Schilddrüse handelt es sich um die Hashimoto-Thyreoiditis und die Basedow-Hyperthyreose.

Beide Krankheiten weisen sich durch eine Überfunktion aus, die beim Hashimoto allerdings nicht obligatorisch ist und im Verlauf immer stärker in die Unterfunktion übergeht.

In der Biografie von Betroffenen finden sich oft Sorgen und Verlust am Rückhalt der häuslichen Gemeinschaft. Auf körperlicher Ebene ist das Immunsystem überfordert, was häufig mit einem löchrigen Darm einhergeht. Die Symptomatik des Autoimmunprozesses entspricht dem Ort des Geschehens in der Schilddrüse und der damit im Labor nachzuweisenden Antikörper.

TPO-Antikörper richten sich gegen das Enzym Schildrüsenperoxidase. Ein erhöhter Wert im Blut lässt auf eine Autoimmunerkrankung vom Typ Hashimoto schließen.

TSH-Antikörper oder auch TRAK richten sich gegen die Rezeptoren der Schilddrüsenzelle. Sie erhält dadurch das Signal, Schilddrüsenhormone zu produzieren, was zu einer Überfunktion vom Typ Basedow führt.

TG-Antikörper richten sich gegen Thyreoglobulin, ein von der Schilddrüse hergestelltes Protein zur Speicherung der Schilddrüsenhormone. Bei etwa 20% der Basedow-Hyperthyreose finden wir erhöhte TG-Antikörper.

Die Basistherapie für die Autoimmunthyreoiditis vom Typ Hashimoto und Basedow ist aufgrund der Biografie und des Immunsystem identisch. Für die Biografie verordnen wir  potenzierte Milch, um die Ebene der seelischen Verletzung auszugleichen. Damit das Immunsystem besser zwischen eigen und fremd unterscheiden kann, arbeite ich mit den Ampullenpräparaten Reticuloendotheliales System D30 (es ist die Geburtsstätte des Immunsystems), Quarz D30 (damit das Immunsystem wieder erkennt: Was ist eigen, und was ist fremd?), Thymus/Mercurius (Stärkung der Ausbildungsstätte des Immunsystems und der Nebenniere als Regulator des Immunsystems), dazu Glandula thyreoidea D30 (um die chronisch-entzündlichen Prozesse an der Schilddrüse zu beeinflussen).

Hormonelle Einflüsse auf die Schilddrüse

Hormone sind Botenstoffe, die vom Drüsensystem des Körpers produziert werden. Sie unterliegen einer Selbstregulation. Erhöhtes Prolaktin, Mangel an Progesteron und Überschuss an Testosteron und Östrogen können funktionelle Störungen an der Schilddrüse verursachen.

Die Behandlung der Schilddrüsenstörung wäre in diesem Fall der Ausgleich der Hormonbalance. Dafür ist es notwendig, im Labor einen umfangreichen Hormonstatus über das Blut (Speichelproben sind zu ungenau) erstellen zu lassen. Eine stoffwechseloptimierte Ernährungsweise bildet auch hier die Basis der Therapie.

Mangel an Co-Faktoren

Für die Produktion der Schilddrüsenhormone sind Vitamin A, Vitamin D, Zink, Kupfer, Selen, Eisen und Jod unerlässlich. Ein Mangel kann zur Schilddrüsenunterfunktion führen. Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss.

Bei der Zufuhr von Jod ist jedoch Vorsicht geboten. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion kann eine zusätzliche Jod-Einnahme die Überfunktion weiter anheizen. Ein Joddefizit sollte also nur ausgeglichen werden, wenn es vorher über Blut oder Urin festgestellt wurde.

Medikamente mit Auswirkungen auf die Schilddrüsenfunktion

In vielen Beipackzetteln von Medikamenten wird darauf hingewiesen, dass bei Einnahme des Mittels eine Schilddrüsenunterfunktion auftreten kann. Diesen Hinweis finden wir bei Cholesterinsenkern, Antidepressiva, Cortison, Antacida (gegen Magensäure), Betablockern und der Antibabypille. In den meisten Fällen wird die Umwandlung von T4 in T3, dem aktiven Hormon der Schilddrüse behindert. Die Folge ist immer eine Unterfunktion der Schilddrüse. In Einzelfällen sollte eine Alternative zum entsprechenden Medikament gesucht werden.

Warum eine gesunde Schilddrüse wichtig ist

Schilddrüsenhormone sind für unzählige Stoffwechselprozesse zuständig. Sie regulieren den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel, sorgen für die Rückresorption von Glucose, regulieren den Wärme- und Energiehaushalt, sind an der Eiweißsynthese beteiligt, steuern die Entwicklung des zentralen Nervensystems, regulieren die Herzfrequenz und sind an der Skelettreifung und der Genitalausbildung bei Kindern beteiligt. Zusätzlich stimulieren sie die Sauerstoffaufnahme der Zellen fast aller Gewebe. In der anthroposophischen Menschenkunde wird dieser Drüse eine Art »Gehirnfunktion« zugeschrieben– das heißt, eine regulatorische Aufgabe zugeordnet.

Vor der Behandlung einer Schilddrüsenerkrankung sollte die Ursache auch außerhalb des Organs abgeklärt werden. Nur so kann eine nachhaltige Heilung dieser bedeutsamen Drüse erfolgen. „Die Doktrin, nach der Krankheiten eine einzige Ursache haben, ist die bestimmende Größe in der Medizinwissenschaft. Doch die Suche nach eben der einen Ursache dürfte ein hoffnungsloses Unterfangen bleiben, da die meisten Krankheitszustände das Ergebnis einer Vielzahl von Ursachen sind“ (Zitat René Dubos, Mikrobiologe).